Die folgenden Beispiele sind wahre Begebenheiten. Um die gegebene Situation – also das Spiegelbild – zu entschlüsseln, schlage ich eine
Übung in vier Schritten
vor. Sie können dieses Schema für sämtliche Lebenssituationen und Personen anwenden, die Sie im Augenblick verwirren, ärgerlich stimmen oder glücklich machen.
Schritt 1 = Beschreibe die aktuelle Situation – oder beschreibe die Person, die Dich nervt.
Ein Tipp: Je kürzer und einfacher die Beschreibung, desto leichter erkennst Du die Botschaft!
Schritt 2 = Verantwortung übernehmen. Sage Dir: „ICH bin es, die diese Situation oder diesen Menschen in meinem Bewusstsein hat. ICH bin es, der das Ereignis genauso gewählt hat, wie es ist,“ Dann frage Dich, ob Du Dir mit der Situation etwas Gutes tust, oder ob Du Dir damit Leid oder Schaden zufügst.
Schritt 3 = Formuliere Deinen Gedanken bzw. Deine Überzeugung, die das gegebene Ereignis hervorgerufen hat. Jedem Schaden, der Dir passiert, liegt ein selbstschädigender Glaube über Dich selbst zugrunde. Jedes Leid, das Dir widerfährt, ist nur die Verwirklichung Deiner mangelnden Liebe zu Dir selbst. Schreibe den/die Gedanken, mit denen Du Dir schadest, auf ein Kärtchen. Lese sie ein letztes Mal, mache Dir bewusst, welche Folgen für Dich daraus entstanden sind – und verbrenne dann das Kärtchen.
Schritt 4 = Nachdem Du jetzt in Deiner geistigen Welt Platz geschaffen hat, steht es Dir frei, einen neuen Gedanken, eine wundervolle Idee, eine glücklich-machende Affirmation aufzunehmen.
Wahre Beispiele
Beispiel 1 (Margit G.)
Schritt 1
Ich fuhr im Rückwärtsgang beim Ausparken auf einen Hydranten auf. Ich hatte ihn weder in den Außenspiegeln noch im Innenrückspiegel gesehen. Die hintere Stoßstange sowie die Kofferraumtür wurden schwer beschädigt.
Schritt 2
Ich übernehme jetzt die Verantwortung für dieses Geschehen. Weil ICH es bin, die dieses Ereignis im Bewusstsein hatte. Der Vorfall mit meinem Auto zeigt mir bloß, woran ich derzeit intensiv denke und mir damit schade.
Schritt 3
In meiner Vergangenheit (Rückwärtsgang) gibt es etwas (Hydrant), das ich nicht sehen will, weil ich es als Hindernis (!) beurteile.
Es stimmt, ich empfinde meinen Ex-Partner immer noch als hinderlich für mich. Ich fühle mich nicht völlig frei von ihm, obwohl wir uns vor zwei Jahren getrennt haben. Ich habe ihm seine Untreue immer noch nicht verziehen – und das behindert mich, für einen anderen Mann offen zu sein.
Meine Überzeugung ist: „Ich kann ihm das niemals verzeihen“. Ich schreibe sie jetzt auf. Mit diesem Gedanken schade ich mir selbst. Deshalb entscheide ich mich jetzt, ihn aufzugeben. Ich mache mir noch ein letztes Mal bewusst, welche Folgen meine unverzeihliche Geisteshaltung für mich hatte und verbrenne das Kärtchen.
Schritt 4
Neuer Gedanke: „ Ich vergebe und bin jetzt frei!“
Beispiel 2 (Josef D.)
Schritt 1
Ich fuhr auf der Stadtautobahn mit Tempo 80 km/h in der dritten Spur. Ohne ersichtlichen Grund wurde mein Wagen immer langsamer, bis schließlich der Motor ganz abstarb. Ich war gezwungen, auf dem Pannenstreifen anzuhalten. Ein Check in der Werkstätte (noch am selben Tag) bestätigte mir, dass kein mechanischer Defekt vorlag!
Schritt 2
Ich übernehme jetzt die Verantwortung für dieses Ereignis. Weil ICH es bin, der es verursacht hat. Der Vorfall mit meinem Auto zeigt mir bloß, was mich derzeit gedanklich intensiv beschäftigt. Mit mir selbst passiert dasselbe, wie mit meinem Auto.
Schritt 3
In irgend einem Bereich meines Lebens bin ich zu schnell unterwegs (dritte Spur), halte ich mein Lebenstempo nicht ein. Ich brauche dringend eine Pause (Motor stirbt ab). Ich soll sofort an Ort und Stelle (Pannenstreifen) innehalten und mich besinnen (wo in meinem Leben bin ich zu rasant?). Körperlich bin ich wohlauf (kein mechanischer Defekt).
Ach ja, da fällt mir ein, dass es mein Berufswechsel ist, mit dem ich mich unter Druck setze. Ich soll mich bis Ende der Woche entscheiden, von meinem Beruf als Kellner zu einer Allroundkraft in einem Altersheim überzuwechseln. Mein Auto spiegelt mir also mein Selbst? Das heißt, ich hätte zu wenig Kraft (Motor stirbt ab) für diesen Rund-um-die-Uhr-Job (dritte Spur, höchstes Tempo).
Der Chef des Altersheims ist mein Freund. Ich habe offensichtlich die Überzeugung: „Freunden darf man nichts abschlagen.“ Damit würde ich mir selbst schaden, denn mir ist dieser Job zu anstrengend. Ich schreibe meine Überzeugung auf ein Kärtchen, mache mir noch einmal bewusst, welche Folgen dieser Gedanke für mich hat und verbrenne es dann.
Schritt 4
Neuer Gedanke: „Ich darf auch zu Freunden NEIN sagen, das ist völlig in Ordnung.“
Beispiel 3 (Reinhard H.)
Schritt 1
Meine Freundin und ich hatten unsere Räder per Bahn zum Urlaubsort geschickt. Der Rücktransport verlief leider nicht problemlos, denn beide Fahrräder kamen schwer beschädigt in Wien an. Beim Herrenrad war die Gangschaltung kaputt und ein paar Kleinigkeiten, das Rad meiner Freundin total fahruntüchtig. Schaltung defekt, Hinterrad verbeult, Licht kaputt und Kratzer auf dem Lack.
Schritt 2
Wir übernehmen jetzt die Verantwortung für dieses Ereignis. Wir beide hatten in unserer Geisteshaltung, was passiert ist. In uns selbst geschah dasselbe, wie mit unseren Rädern. Der Zustand unserer Fahrräder war bloß ein Spiegelbild davon.
Schritt 3
An unserem Urlaubsort muss in uns etwas Gravierendes vorgegangen sein. Bis dahin (Hintransport der Räder geglückt) war mit uns beiden und unserer Beziehung alles in Ordnung. Der Schaden wurde auf dem Heimweg sichtbar, das bedeutet, dass wir nach diesen drei Wochen innerlich nicht mehr dieselben waren. Das stimmt. Denn ich erkannte dort ganz klar und deutlich, dass meine Freundin dich nicht die Frau ist, mit der ich zusammenleben möchte. Ich hatte die letzten Wochen ihr zuliebe eine Rolle gespielt, die mir auf Dauer nicht liegt und scheute mich davor, unsere Beziehung zu beenden, weil ich sie nicht verletzen wollte. Ich muss also davon überzeugt sein, dass ich im Zusammenleben mit einer Frau meine Freiheit verliere und dass ich sie verletze, wenn ich meinen Interessen und meinen Bedürfnissen nachgehe. Mit dieser Überzeugung tue ich mir nichts Gutes, denn sie erzeugt Schuldgefühle und Bedrückung in mir. Ich schreibe sie jetzt auf ein Papier (Im Zusammenleben mit einer Frau verliere ich meine Freiheit. Ich verletze sie mit meiner Art.), mache mir ein letztes Mal bewusst, welche konkreten Folgen dieser Glaubenssatz für mich hat und verbrenne es dann.
Schritt 4
Neuer Gedanke: „Ich erlaube mir jetzt, mit der richtigen Partnerin in jeder Hinsicht frei zu sein.“
Beispiel 4 (Günther W.)
Schritt 1
Mir wurde mein neuer Golf GTI am hellichten Tag auf einem bewachten Parklatz in Bratislava gestohlen. Ich habe sofort Anzeige erstattet. Dich sämtliche Recherchen blieben erfolglos.
Schritt 2
Ich übernehme jetzt die Verantwortung dafür. Denn ICH war es, der dieses Ereignis in seinen Gedanken hatte, sonst hätte es in meinem Leben nicht konkret werden können. Mit meinem inneren Wesen passierte dasselbe, wie mit meinem Wagen.
Schritt 3
Mein Selbstbild (Roter Golf GTI) wurde mir genommen. Ich besaß meinen Wagen nur vier Wochen, das bedeutet, dass ich innerlich ein Verbot haben muss, mein neues Selbst (neues Auto) als zu mir gehörig zu akzeptieren. Durch irgend eine Überzeugung vermassle ich selber, dass sich mein Wesen in strahlender (neues Auto), roter (aktiv, dynamisch, feurig, lebenslustig), spritziger (GTI) Schönheit ausdrückt. Ich beraube mich (Diebstahl) selbst dieser Wesenszüge, weil ich negativ darüber denke. Das stimmt. Ich habe mich stets der Meinung meiner Eltern angepasst. Sie bezeichneten mich oft und oft als faulen Langweiler. Ich muss also heute mit 45 noch immer davon überzeugt sein, faul und langweilig zu sein! Mit diesem Gedanken schade ich mir, denn er verhindert, dass ich mein wirkliches Wesen auslebe, das feurig, dynamisch und lebenslustig ist. Ich schreibe meinen Negativgedanken auf ein Kärtchen: „Ich bin ein fauler Langeweiler.“ Mache mir ein letztes Mal bewusst, welche Folgen er für mich hatte (neues Auto gestohlen) und verbrenne es dann.
Schritt 4
Neuer Gedanke: „Ich bin erwachsen! Ich liebe und schätze mein feuriges Temperament und meine Lebenslust.“
Beispiel 5 (Christiane Sch.)
Schritt 1
Mein Auto hatte einen Unfall, obwohl ich gar nicht anwesend war. Ich weiß, das hört sich komisch an. Ich parkte meinen Wagen vor dem Haus meines Freundes hinter einem LKW. Als ich am nächsten Morgen zu meinem Auto kam, sah ich es eingeklemmt zwischen dem LKW und einem Jeep. Beide Stoßstangen sowie Motorhaube und Kofferraumdeckel waren ziemlich beschädigt. Mein Auto war regelrecht zusammengedrückt worden.
Schritt 2
Ich übernehme jetzt die volle Verantwortung für dieses Ereignis. Weil ICH es bin, die dieses Ereignis manifestiert hat. Mit meinem inneren Wesen passierte dasselbe, wie mit meinem Auto.
Schritt 3
Mein wirkliches Wesen, mein wahres Selbst (eigenes Auto) wird fast zerdrückt – und zwar von zwei Seiten gleichzeitig (zwei Personen). Der Parkschaden spielt sich vor dem Haus meines Freundes ab. Es stimmt, ich fühle mich an diesem Abend von unserer Lebenssituation erdrückt. Die Mutter meines Freundes mischte sich ständig in unser Privatleben ein. Für meinen Freund war das völlig normal. Er erwartete mein Verständnis und wurde böse, wenn ich eine Entscheidung von ihm verlangte. Ich hatte Angst, ihn zu verlieren, wenn ich meiner inneren Stimme gehorche, die mir sagte, hierher gehörst Du nicht. Ich muss also die Überzeugung haben, dass sich eine Frau zu fügen hat, selbst dann, wenn ihr wirkliches Wesen erdrückt wird (Auto zusammengedrückt). Mit diesem Fehlglauben schade ich mir selbst. Ich schreibe meinen Gedanken auf ein Kärtchen: „Ich muss mich fügen um jeden Preis.“ Mache mir ein letztes Mal bewusst, welche Folgen e rfür mich hatte und verbrenne es dann.
Schritt 4
Neue Einstimmung: „Ich gehorche nur noch mir selbst. Ich bin auf der Welt, um glücklich zu sein.“
Beispiel 6 (Konrad S.)
Schritt 1
Wir wollten gerade abreisen. Ich parkte meinen Wagen vor der Hoteleinfahrt, um unsere Koffer zu verstauen. Dann streikte der Starter. Er gab nicht das geringste Geräusch von sich. Nach einigen erfolglosen Versuchen schoben uns zwei Passanten von der Einfahrt weg.
Schritt 2
Ich übernehme jetzt die Verantwortung dafür. In meinem Innersten ging dasselbe vor sich wie bei meinem Auto.
Schritt 3
ICH konnte in einem bestimmten Punkt nicht starten. Tatsächlich hatten meine Freundin und ich die letzten Tage über unsere Beziehung gesprochen und uns auf ein neues Modell geeinigt: Mehr Freiraum. Ich muss eine unbewusste Überzeugung haben, mit der ich mir den Start in die neue Form der Beziehung verweigere. Es stimmt, ich glaube, dass ich meine Freundin verliere, wenn ich ihr mehr Freiraum lasse. Ich glaube, dass Kontrolle besser ist, als Vertrauen. Ich mache mir das ein letztes Mal bewusst, schaue hin, welche Folgen diese Überzeugung für mich hatte und gebe sie jetzt auf, indem ich das Kärtchen mit der Wortfolge meine Fehlgedankens verbrenne.
Schritt 4
Neue Einstimmung: „Zur Liebe gehört Vertrauen. Ich vertraue mir und den Menschen, die ich liebe.“

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